Ausgabe Nr. 3/2019

 

 

Themenheft: "Informalisierung des Strafrechts"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt

 

Editorial: Informalisierung des Strafrechts

Boris Burghardt und Tobias Singelnstein

 

Informalisierung der Strafjustiz - Begriff, Begründung und Kritik

Boris Burghardt

Der Beitrag untersucht die Berechtigung der verbreiteten Kritik an einer Informalisierung der Strafjustiz. Dabei werden zunächst begriffliche Unschärfen herausgearbeitet: In der Literatur bleibt letztlich unklar, was eine Entwicklung in den strafjustiziellen Entscheidungsstrukturen zu einem Phänomen der Informalisierung macht und mithin auf welche Entwicklungen sich der Begriff erstreckt. Zugleich lassen sich gegenläufige Entwicklungen benennen, die als Formalisierung der Strafjustiz verstanden werden können. Sodann werden gemeinsame Argumentationslinien für die Begründung der Informalisierung einerseits und für ihre Kritik andererseits herausgearbeitet. Dabei zeigt sich, dass die Kritik durchaus berechtigt ist, aber ihrerseits auf der – in tatsächlicher Hinsicht zunehmend brüchigen und dennoch unverzichtbaren – Prämisse beruht, dass gesetzgeberische Entscheidungen eine größere Gewähr für ihre inhaltliche Richtigkeit nach normativen Maßstäben bieten als Entscheidungen der Strafjustiz.

 

Die Informalisierung der strafprozessualen Verfahrenserledigung als Ausdruck einer ambivalenten Rekonfiguration strafrechtlicher Sozialkontrolle

Jana Berberich und Tobias Singelnstein

Wie das System strafrechtlicher Sozialkontrolle einer Gesellschaft ausgestaltet, wie also Kriminalität im Kriminalisierungsprozess hergestellt wird, hängt nicht nur von den Regelungen des materiellen Strafrechts ab. Mindestens genauso bedeutsam ist, wie diese Regelungen in der Praxis angewendet und umgesetzt werden, was durch das Strafverfahrensrecht bestimmt wird. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag Veränderungen in der Praxis der Erledigung von Strafverfahren durch die Strafverfolgungsbehörden in den vergangenen Jahrzehnten. Im Zentrum der Betrachtung stehen Formen der informellen Verfahrenserledigung, die in diesem Zeitraum erheblich an Bedeutung gewonnen haben. Deren Entwicklung wird empirisch aufbereitet und sodann als Bestandteil eines grundlegenden Wandels im System nicht nur strafrechtlicher Sozialkontrolle analysiert.

 

Verständigung als gelungene Strategie im Umgang mit Informalisierungstendenzen im Strafverfahren?

Charlotte Schmitt-Leonardy

Verständigungen im Strafverfahren stehen immer noch für einen negativen Trend zur Informalisierung. Eine Abkürzung der extensiven Tatsachenermittlung einer umfassenden Beweisaufnahme mittels einer Absprache der Verfahrensbeteiligten über den Ausgang des Strafverfahrens passt auf den ersten Blick nicht in den klassischen Strafprozess. Und doch scheint die konsensuale Verfahrensbeendigung das Strafverfahren heute mehr als das Urteil nach einer streitigen Hauptverhandlung zu prägen. Der Beitrag geht der Frage nach, ob bestehende Informalisierungstendenzen durch die Einführung des Instituts der Verständigung angemessen adressiert wurden und welche Aspekte bei dem Versuch der Implementierung des Konsensgedankens in das deutsche Strafverfahrensrecht immer noch problematisch sind.

 

Restorative & Transformative Justice – Abschaffung, Informalisierung oder Reformalisierung des Strafrechts?

Gaby Temme

Die Kritik am Strafrecht sowohl aus strafrechtswissenschaftlicher als auch aus kriminologischer Perspektive führt zu der Frage, ob eine Abschaffung des Strafrechts sinnvoll sein könnte. Als Alternativen werden in diesem Zusammenhang Restorative und Transformative Justice diskutiert. Mittlerweile haben sich Modelle, die unter Restorative Justice firmieren, im deutschen Strafrecht normativ und in der Praxis manifestiert. Inwieweit dies zu einer Informalisierung des Strafrechts führt und gegebenenfalls seine Abschaffung einleitet, wird im vorliegenden Beitrag näher diskutiert.

 

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Aktuelles

Call for Paper: Jahrestagung Sozialwissenschaftliche Drogenforschung

Call for Paper: European Society for Social Drug Research

The 31st Annual Conference of the ESSD will focus on a variety of themes including drug related implications of COVID-19, new trends in drug use and digitisation of drug markets. Additionally, there will be presentations on theories and concepts for drug policy. Lastly, methods in drug research and ethical challenges in drug research will be discussed. Presentations should preferably include a European dimension, and/or theoretical analysis that draws inferences from the local to the global. Call for Papers (Deadline: June 30, 2020) | Further information https://essd2020.univie.ac.at

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Hinweise zur Arbeitsverteilung in der Redaktion

Neue Arbeitsverteilung in der Redaktion des Kriminologischen Journals im Jahr 2020

Die Redaktion des Kriminologischen Journals im Jahr 2020 besteht aus Meropie Tzanetakis, Dörte Negnal, Christine Graebsch, Jens Puschke und Simon Egbert. Meropi Tzanetakis und Jens Puschke teilen sich die Geschäftsführung der Redaktion, wobei Simon Egbert weiterhin für Buchbesprechungen und Rezensionen zuständig ist. Entsprechende Beiträge und/oder Anfragen sind daher an Herrn Egbert zu senden. Für weitere Informationen und Kontaktdaten siehe den Menupunkt "Beiträge einreichen".

Nachrichten aus dem Kreis der Herausgeber*innen

Sitzung des Kreises der Herausgeber*innen des Kriminologichen Journals

Am 23. November 2019 tagte der Kreis der Herausgeber*innen des Kriminologischen Journals in Bremen. In Anschluss an die Sitzung kam es zu einigen Veränderungen im Kreis der Herausgeber*innen sowie in der Redaktion. Zudem wurde am 24.11.2019 eine kleine wissenschaftliche Tagung zum Thema "Kriminologie und Kritik" durchgeführt.

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Call for Abstracts: Themenheft Polizeigesetze

Call for Abstracts: Reform der Polizeigesetze

Die aktuell in (fast) allen deutschen Bundesländern eingeleitete oder bereits realisierte Umgestaltung der Polizeigesetze ist Gegenstand zahlreicher politischer und zivilgesellschaftlicher Debatten. Dabei sind Reformen von Polizeigesetzen an sich nichts Ungewöhnliches und erfolgten in den vergangenen Jahrzehnten mit einiger Regelmäßigkeit. So bündeln sich in den bereits verabschiedeten und noch geplanten Gesetzen zentrale Entwicklungslinien der Innen- und Sicherheitspolitik, die bereits vor einigen Jahrzehnten begonnen haben. Die jetzigen Neuerungen scheinen jedoch insofern ein Novum darzustellen, als dass sie in Quantität der (geplanten) Gesetzesveränderungen sowie in deren Regelungsanspruch weit über das bisher bekannte Maß hinausgehen.

Im Rahmen eines Themenheftes des Kriminologischen Journals sollen die derzeitigen Reformbestrebungen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Daher wird angestrebt, Beiträge zu veröffentlichen, die sich auf übergreifende bzw. verbindende Entwicklungslinien in den Gesetzesvorhaben beziehen oder diese als Ausgangspunkt ihrer Betrachtung wählen. Angedacht ist, dass den Heftbeiträgen ein Editorial vorangestellt wird, das eine kurze rechtliche, historische und politische Einordnung der derzeitigen Reformprozesse vorwegnimmt, so dass die eingereichten Beiträge, direkt in das jeweilige Thema einsteigen können.
 

 

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Hinweise zur Arbeitsverteilung in der Redaktion

Neue Arbeitsverteilung in der Redaktion des Kriminologischen Journals im Jahr 2019

Die Redaktion des Kriminologischen Journals im Jahr 2019 besteht aus Tobias Singelnstein, Dörte Negnal, Jens Puschke, Meropi Tzanetakis und Simon Egbert. Simon Egbert und Tobias Singelnstein teilen sich die Geschäftsführung der Redaktion, wobei Simon Egbert für Buchbesprechungen und Rezensionen zuständig ist. Entsprechende Beiträge und/oder Anfragen sind daher an Herrn Egbert zu senden. Für weitere Informationen und Kontaktdaten siehe den Menupunkt "Beiträge einreichen".